Ratgeber · Baumarkt
Bohren in Fliesen ohne Risse: Schritt für Schritt
Redaktion a-zet.org
Beim Bohren in Fliesen kommt es weniger auf Kraft als auf Vorbereitung, passendes Werkzeug und eine ruhige Arbeitsweise an. Fliesen sind hart, aber spröde. Ein falscher Bohrer, zu hoher Druck oder eine ungünstige Bohrstelle führt deshalb schnell zu Rissen und Abplatzungen. Prüfe vor dem Bohren die Fliesenart, den Untergrund und mögliche Leitungen. Danach lässt sich der Arbeitsablauf gut planen.
Die Fliesenart bestimmen
Steingut ist vergleichsweise weich und wird oft als Wandfliese verwendet. Steinzeug ist dichter und widerstandsfähiger. Feinsteinzeug besitzt eine besonders harte, dichte Struktur und verlangt in vielen Fällen ein Diamantwerkzeug. Die Oberfläche allein verrät nicht immer zuverlässig, welches Material vorliegt. Falls eine Ersatzfliese vorhanden ist, kannst du daran Bohrer und Arbeitsweise vorab ausprobieren.
Bei Naturstein achtest du zusätzlich auf Härte, Porosität und die Empfindlichkeit der Oberfläche. Polierte und dunkle Oberflächen zeigen kleine Kratzer besonders deutlich.
Den passenden Bohrer auswählen
Weiche, glasierte Wandfliesen lassen sich häufig mit einem Fliesen- oder Glasbohrer bearbeiten. Für hartes Steinzeug und Feinsteinzeug sind meist Diamantbohrer die bessere Wahl. Ein gewöhnlicher Steinbohrer kommt erst hinter der Fliese zum Einsatz, wenn der Wanduntergrund bearbeitet wird. Ein stumpfes Werkzeug erzeugt mehr Wärme und mehr Druck, als die Fliese verkraftet.
Maschine, Zubehör und Schutzausrüstung bereitlegen
Eine regelbare Bohrmaschine ist besonders praktisch, weil du langsam beginnen kannst. Für größere Öffnungen brauchst du eine geeignete Diamantbohrkrone, gegebenenfalls mit Führung. Wasser kann bei dafür vorgesehenen Diamantwerkzeugen zur Kühlung dienen. In der Nähe von Steckdosen oder anderen elektrischen Anschlüssen muss Flüssigkeit jedoch unbedingt ferngehalten werden.
Eine Schutzbrille schützt die Augen vor Splittern und Bohrstaub. Beim Bohren in mineralischen Untergründen solltest du den Staub nicht einatmen; eine passende Atemschutzmaske ist deshalb sinnvoll. Arbeitsfläche und angrenzende Armaturen lassen sich mit einer Abdeckung schützen.
Wasserleitungen und Stromleitungen sicher ausschließen
Bevor du die Maschine ansetzt, prüfe den Wandaufbau. Hinter der Fliese können Putz, Mauerwerk, Beton, Gipskarton oder ein Hohlraum liegen. Auch Wasser- und Stromleitungen musst du ausschließen. Orientiere dich an den üblichen Installationszonen, an vorhandenen Plänen und an einem geeigneten Ortungsgerät. In der Nähe von Armaturen, Schaltern und Steckdosen ist besondere Vorsicht angebracht. Bei unklaren Leitungsverläufen unterbrichst du die Arbeit und holst fachkundige Hilfe.
Die richtige Bohrstelle bestimmen
Die beste Bohrtechnik hilft wenig, wenn an der falschen Stelle gebohrt wird. Halte ausreichend Abstand zu Kanten und Ecken der Fliese, denn dort bricht das Material am leichtesten. Klopfe die Fläche vorsichtig ab: Klingt eine Fliese hohl, liegt sie nicht vollflächig im Kleber und reißt unter Belastung schneller. Gerade im Bad prüfst du außerdem, ob eine Abdichtung verletzt werden könnte.
Bohrstelle mit Klebeband oder Schablone sichern
Klebeband über dem markierten Punkt schafft eine griffigere Oberfläche und macht den Start kontrollierbarer. Bei größeren Bohrungen führt eine Schablone die Krone und verhindert ein Wandern. Die Markierung bleibt sichtbar oder wird auf das Band übertragen. Vor dem Bohren prüfst du nochmals, ob die Position waagerecht sitzt und ausreichend weit vom Rand entfernt ist.
Ohne Schlag langsam durch die Glasur bohren
Die Schlagfunktion bleibt ausgeschaltet, solange der Bohrer die Fliese berührt. Mit niedriger Drehzahl erzeugst du eine kleine Vertiefung, ohne die Maschine zu verkanten. Erst wenn das Werkzeug sicher geführt ist, setzt du den Arbeitsgang gleichmäßig fort. Ein kurzer Stopp zwischendurch zeigt, ob sich Risse oder Abplatzungen bilden.
Halte die Maschine gerade und vermeide seitlichen Druck. Schon eine leichte Kippbewegung belastet die Glasur ungleichmäßig und begünstigt feine Ausbrüche am Lochrand.
Drehzahl, Druck und Kühlung kontrollieren
Zu hohe Drehzahl erzeugt Wärme, zu hoher Druck belastet die Fliese mechanisch. Beides erkennst du an verändertem Laufgeräusch, starkem Staub oder einer sichtbar heißen Werkzeugspitze. Bei dafür geeigneten Diamantwerkzeugen hält Kühlung die Arbeitszone im vorgesehenen Temperaturbereich. Nimm den Bohrer gelegentlich heraus, damit Staub entweichen kann und das Werkzeug abkühlt.
Nach dem Durchdringen der Fliese den Untergrund bohren
Sobald die Fliese vollständig durchdrungen ist, wechselst du auf einen Bohrer für den Untergrund. Erst jetzt darfst du eine passende Bohrfunktion verwenden, wenn das Wandmaterial sie erfordert. Der Bohrdurchmesser muss zum Dübel passen. Entferne anschließend den Staub mit einem Staubsauger, einer Bürste oder vorsichtigem Ausblasen und schütze dabei Augen und Atemwege.
Nach dem Reinigen setzt du einen Dübel ein, der zum Untergrund, zur Schraube und zur erwarteten Last passt. Die Befestigung muss in einem tragfähigen Bereich greifen. Bei schweren Gegenständen reicht ein Dübel, der nur in der Fliese sitzt, nicht aus.
Große Öffnungen und besondere Fälle
Für große Durchbrüche, etwa für Armaturen oder Rohre, führst du die Bohrkrone mit einer Schablone und arbeitest besonders langsam. Bei bereits verfugten Flächen kann die Fuge ausbrechen. Bearbeite sie deshalb ohne seitliche Bewegung und erneuere beschädigte Fugenmasse anschließend. Im Nassbereich muss sichergestellt sein, dass die Abdichtung wieder zuverlässig funktioniert, denn ein offenes oder undichtes Bohrloch leitet Feuchtigkeit in den Wandaufbau.
Häufige Fragen
Welcher Bohrer eignet sich für Fliesen?
Für weichere glasierte Fliesen kommen häufig Fliesen- oder Glasbohrer infrage. Harte Fliesen wie Feinsteinzeug benötigen meist ein geeignetes Diamantwerkzeug. Hinter der Fliese verwendest du einen Bohrer, der zum Wandmaterial passt.
Muss die Schlagfunktion ausgeschaltet werden?
Ja. Beim Durchbohren der Fliese arbeitest du ohne Schlag. Erst im dahinterliegenden Untergrund kannst du eine passende Funktion verwenden, wenn sie dort erforderlich ist.
Kann ich in eine Fuge bohren?
Das ist möglich, aber nicht automatisch sicherer. Die Fuge kann ausbrechen und muss im Nassbereich anschließend wieder sorgfältig geschützt werden. Entscheidend sind Last, Fugenbreite und Untergrund.
Wie verhindere ich das Abrutschen?
Markiere den Punkt genau und sichere ihn mit Malerkrepp oder einer Bohrschablone. Setze den Bohrer gerade, langsam und ohne seitlichen Druck an.
Warum entstehen Risse rund um das Loch?
Ursachen können zu hoher Druck, eine hohe Drehzahl, ein stumpfer oder ungeeigneter Bohrer sowie ein zu geringer Abstand zur Kante sein. Auch hohl liegende oder vorgeschädigte Fliesen reißen leichter.
Was mache ich bei einer hohl klingenden Fliese?
Belaste sie möglichst nicht. Prüfe den Untergrund und verklebe die Fliese neu, bevor du dort eine tragende Befestigung setzt.
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